Auf dem Weg zum Frieden

Seit 31 Jahren nun wird jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit in der Geburtsgrotte in Bethlehem das Friedenslicht entzündet, so auch dieses Jahr. Das Licht machte sich von dort auf den Weg nach Wien zur großen Aussendung.

Eine Delegation von Berliner Pfadfindern, die das Licht bei der Aussendungsfeier in Empfang genommen hat, übergab uns das Friedenslicht am Morgen des 3. Advents auf ihrem Rückweg an der Autobahnraststätte Nötnitzer-Grund. Am gleichen Tag gestalteten wir zusammen mit Pfadfindern des VCP und der DPSG die sächsische Aussendungsfeier in der Dresdner Hofkirche.

Gemeinsam mit den Besuchern, die aus vielen Pfadfindern, der Johanniter Jugend und Freunden des Friedenslichts bestanden, machten wir uns auf den Weg. Wir hinterließen alle unsere Fußabdrücke auf einem großen Papier, das wir im Kirchgang ausgelegt hatten. Über diesen Fußabdrücke bewährten Weg wurde das Licht von Pfadfindern und Pfadfinderinnen an die Besucher weitergegeben. Pfarrerin und VCP-Stammesführerin Manja Pietzcker nahm uns mit ihrer Predigt mit sich auf die Wege des Friedens, die wir in unserem Alltag beschreiten – manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Es wurde gemeinsam musiziert und Fürbitte gehalten. Die im Anschluss an die Aussendungsfeier eingesammelte Kollekte wird in diesem Jahr an das vom St. Benno Gymnasium Dresden ins Leben gerufene, weltweite Projekt Sudanekali gespendet.

Der DPSG Stamm Drachentöter Dresden hatte vor der Kirche eine Jurte aufgebaut, in der wir am Feuer, mit Tschai in der Hand, über die Anregungen der Aussendungsfeier sprachen, zusammen sangen und den Nachmittag trotz kalten frostigen Wetters zusammen mit Pfadfindern der verschiedenen Bünde und vielen anderen Besuchern und Passanten gemütlich ausklingen lassen konnten.

Glökchen

 

Nualas Beitrag zur Aussendungsfeier

Beim Thema Frieden denke ich zuallererst an Gewalt und Krieg und vor allem an Dinge, die scheinbar sehr weit weg von unserem Alltag sind. Doch beim genaueren Betrachten fallen mir viele Alltagsbeispiele ein, die ich als nicht-friedlich einstufen würde, weil sie einen aggressiven Charakter haben. Ein prägnantes Beispiel der letzten Wochen will ich nennen, weil es mir einfach nicht aus dem Kopf geht. Es scheint harmlos, doch ist es für mich symptomatisch. Ich habe in der Restmülltonne unseres Hauses viele Dinge gefunden, die dort einfach nicht hingehören: Ein komplettes Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel, ein riesiges Kopfkissen, ein Set Ölpastellkreide, einen Kinderrucksack und noch ein paar andere Gegenstände, die noch gut zu benutzen sind. Warum werden sie achtlos weggeworfen, anstatt anderen zu schenken und damit etwas Sinnvolles und Nützliches zu tun? Ich empfinde das als Gewalt – und sie setzt sich fort bis zu all den grausamen Übergriffen, von denen unsere Medien täglich aus aller Welt berichten.

Auf dem Weg zu weniger Gewalt, auf dem Weg zum Frieden zu sein, heißt für mich, bei sich selbst anzusetzen. Nicht nur dumpfen Bedürfnissen und schneller Befriedigung hinterher eilen, sondern sich selbst etwas weniger wichtig sehen zugunsten unserer Gemeinschaft. Einfach mal jemanden aufmerksam anschauen in der Straßenbahn, als vom Smartphone hypnotisiert zu werden. Rassistischen Sprüchen etwas entgegensetzen, das vielleicht nicht der geistreichste Wortbeitrag ist, aber einfach zeigt, dass wir Unmenschlichkeit nicht dulden wollen. Anderen Menschen Zeit schenken, auch wenn wir eigentlich weiterhetzen wollen. Einfach mal zuhören, ausreden lassen, nicht immer das letzte Wort haben wollen. Das sind für mich kleine Gesten auf dem Weg zum Frieden. Sicherlich fallen euch viele andere Dinge ein, die ihr aus euren persönlichen Werten ableiten könnt. Seid mit euch selbst in Kontakt und hört auf eure innere Stimme. Das ist mir wichtig.

Ein lieber Freund, Josa Wode, hat kürzlich eine wunderbare Kurzgeschichte verfasst, aus der ich einen sehr passenden Ausschnitt vorlesen möchte:

Dezember. Mir ist kalt. Es ist mein erster Winter hier, aber ich hörte, dass es die nächsten Monate noch kälter werden würde.

Gestern wurde ich geschubst und angespuckt. Drei Männer waren es und eine Frau – alle zumindest leicht angetrunken. Jemand trat nach mir. Das war gegen 18 Uhr am Platz vor dem Hauptbahnhof, den ich auf meinem Weg zur Unterkunft passierte. Um uns herum viele Menschen – einige schauten, einige gingen rasch weiter. Leider mischte sich dieses Mal niemand ein oder holte Hilfe. Nach einigem Hin und Her gelang es mir, davonzulaufen. Meine Peiniger waren zum Glück nicht in der Stimmung, mich zu verfolgen.

Heute waren es nur die üblichen finsteren Blicke, der abweisende Ton der Kassiererin im Supermarkt und sonstiges Alltägliches. Schlimmeres als gestern habe ich glücklicherweise noch nicht erleben müssen, doch habe ich schon viel von anderen gehört, das mir ernsthaft Sorgen bereitet. Die gelegentlichen freundlichen Blicke oder ein Lächeln auf dem Gesicht eines Passanten helfen, mich nicht nur unerwünscht zu fühlen und tragen mich durch den Tag – neben meinen Träumen und Zielen natürlich. Ich möchte ein Zuhause finden, arbeiten, mir meinen Platz verdienen und meine Familie unterstützen. Vor dem Krieg habe ich mein Geld mit Worten verdient, doch wie soll das gehen in einer fremden Sprache, die ich bisher kaum beherrsche? Aber so hoch sind meine Ansprüche gar nicht. Im Moment würde ich so ziemlich jeden Job machen, der ein bisschen Geld einbringt und mir eine Beschäftigung bietet. Leider hat man mir bisher noch nicht erlaubt, zu arbeiten und manchmal habe ich Angst, dass sich das nie ändern wird oder, schlimmer noch, ich irgendwann gezwungen werde, zurückzugehen. Nach allem, was ich auf mich genommen habe und was meine Familie geopfert hat, damit ich es hierher schaffe, weiß ich nicht, wie ich das verkraften sollte. Zum Glück sieht es derzeit nicht danach aus und ich bin sehr dankbar für die Unterkunft und Versorgung. Es ist kein Zuhause, aber es ist ein Anfang und ich lerne hier viele andere kennen, denen es ähnlich geht wie mir.