Landesfahrt 2018

Unsere Abenteuerlust hat dieses Jahr eine neue Stufe erreicht: Per Luftfahrt nach Georgien! Eine Woche Austausch mit unseren – inzwischen – georgischen Pfadfinderfreund*innen und dann ab auf Fahrt für zwei Wochen.

Die 69 Teilnehmer*innen lernten das Land zwischen Schwarzem Meer, Großem und Kleinem Kaukasus kennen und die riesige Gastfreundschaft der Georgier*innen schätzen. Die Landesfahrt begann mit einem Austausch mit georgischen Pfadfinder*innen. Zu Beginn mischen sich die Teilnehmergruppen in Lagersippen um Austausch anzuregen. Neben dem Bestaunen der traumhaften Kaukasus-Umgebung, dem Baden im Fluss, nächtlichem Lauschen der Kojoten und Zikaden können wir in den Georgiern die Sehnsucht nach einer Liedkultur wecken.

Einem tränenreichen Abschied folgte eine abenteuerliche Fahrt. Die atemberaubende Landschaft und das – gar nicht so schwarze – Schwarze Meer boten eine Vielzahl an Möglichkeiten um eine abwechslungsreiche Fahrt zu erleben! Die Fahrtenberichte der Sippen werden euch neidisch machen!

Zum Schluss flogen alle Teilnehmenden mit nur einer Frage im Kopf nach Hause: Wann sehen wir die georgischen Pfadfinder wieder? – Hoffentlich auf dem Bundeslager 2022!

Jha-Jha

 

Fahrtenbericht der Aufbaugruppe der Jötnar

Es war im Mai als die Aufregung bei einem Georgien-Vortreffen anfing zu steigen. Bald würde es soweit sein, eine Großfahrt nach Georgien, mit fast 70 anderen sächsischen Pfadfindern. Von Tag zu Tag kam das große Abenteuer näher und die Vorfreude war kaum zu halten.

Doch am 20. Juli war es dann soweit: vollgepackt mit Rucksäcken und Gitarren standen wir da am Oschatzer Bahnhof und warteten auf den Zug Richtung Dresden. Unentdeckte Orte, gastfreundliche Menschen, hohe Berge und traumhafte Landschaften schwirrten durch unsere Köpfe.

Am nächsten Morgen wurden wir schon 4:00 Uhr aus dem Schlaf gerissen. Wir packten unsere Sachen, und eilten zu unserer Busstation. Dort trafen wir die Goldenen Reiter aus Dresden, die wir bis jetzt noch nicht so richtig kannten. Dann war der Bus auch schon da. Aber anscheinend würde er uns nicht mitnehmen, da bei der Buchung etwas schiefgelaufen sei. Panik brach aus. Würde unsere Endeckungsreise hier schon enden? Doch hoffnungsvoll versuchten unsere RRs die Busfahrt noch zu organisieren. Und das hatten sie auch geschafft. Dankbar grinsten wir den Busfahrer an und stiegen in das Fahrzeug ein.

In Prag angekommen bildeten wir Reisegruppen und bereiteten unsere Rucksäcke auf den Flug vor. Nach dem Check-in und einer Kontrolle saßen wir dann gespannt im Flugzeug. Der Flieger hob ab und wir schwebten immer weiter Richtung Abenteuer Georgien. In Tblisi angekommen trafen wir auf den Leipziger Stamm LEO und den Stamm Ancalagon aus Taucha. Die Rede war die ganze Zeit von „Marschrutkas“ aber niemand wusste so genau was das überhaupt war. Doch da wurden wir schon zu einem klapprigen, halb kaputten, busartigen Fahrzeug geführt. „Das wird wohl eine sein“, murmelten alle vor sich hin.

Nach einer langen, anstrengenden Fahrt wackelte und ruckelte es auf einmal in der Marschrutka. Wir kamen kamen nicht mehr vorwärts. Na super, wir steckten im Schlamm fest. Alle waren genervt. Doch irgendwie hatten wir es dann doch geschafft. Aber das nächste Problem wartete schon auf uns. Es fing auf einmal richtig dolle an zu schütten. Wir rannten los in der Hoffnung, dass unsere Sachen trocken blieben, was aber nicht gelang. Endlich im Lager angekommen, wurden wir schon liebevoll erwartet. Doch nachdem gegessen, aufgebaut und bekannt gemacht wurde, ging dann auch schon jeder schlafen. Es war ein langer anstrengender Tag gewesen.

Am nächsten Morgen wurden wir von dem donnernden Regen geweckt. Nach einem georgischen Frühstück und einer Einführung hatte es immer noch nicht aufgehört, sodass das gesamte Lager für 1–2 Stunden in den Kohten verschwand. Als sich das Wetter erholt hatte, ging es dann mit dem offiziellen Austausch mit georgischen Pfadfinder*innen los. Wir machten eine Kennenlernrunde und einige Spiele. Den ganzen restlichen Tag verbrachten wir mit Spielen oder erkundeten die Gegend. Wir entdeckten auch einen kleinen, aber wunderschönen Fluss an dem wir baden gingen. Am Abend gab es eine Singerunde, mit der wir alle sehr begeistern konnten. Darauf gingen wir schlafen.

Die folgende Tage brachten viele Abenteuer mit sich. Wir machten uns beispielsweise auf den Weg zu einem Wasserfall, der aber leider nicht mehr zu erreichen war, da die Strömung zu stark war. Trotzdem verbrachten wir dort während wir auf die Marschrutka warteten einige lustige Stunden.

An einem Abend gab es einen deutschen Abend, so ähnlich aufgebaut wie „Wetten das“, aber auf eine viel witzigere Art und Weise. Wir hinterließen auch eine selbstgebaute Feuerstelle, die tatsächlich sehr schön geworden war. Die gesamte restliche Zeit in Pona hatte immer eine Überraschung auf Lager und es gab viel zu entdecken. Georgien war ein sehr schönes, friedliches und einladendes Land und man konnte sich kaum vorstellen, dass es dort mal Krieg gab.

Doch nach einer Woche kam schon der erste Abschied. Wir waren alle sehr traurig, dass wir die meisten georgischen Pfadfinder*innen höchstwahrscheinlich nicht mehr sehen werden. Doch gleichzeitig war es der Anfang der eigentlichen langersehnten Entdeckungsreise. So ging es dann mit den Marschrutkas auf Richtung Kutaisi, wo wir uns erstmal erkundigten und Einkaufen gingen. Doch wir steckten auf einmal in der Klemme. Wir wussten nicht wohin und waren ziemlich orientierungslos. Doch wie aus dem Nichts eilte schon die Rettung zu uns. Ein freundlicher Mann sprach uns an, fragte ob es uns gut geht und wer wir sind. Wir erklärten ihm auf irgendeine unbekannte Art und Weise in welcher Situation wir überhaupt waren. Darauf bot Nicolai uns sofort Hilfe an. Drei Stunden später kamen wir dann in Korpuletti an, mit der Marschrutka des Nachbarn von Nicolais Opa. Wir dankten Nicolai und dem alten Mann für die große Hilfe und fanden auch noch heraus, dass auf dem 5-Lari-Schein die Unterschrift von Nicolai war. Kaum zu fassen, wir wissen bis heute nicht wieso. Es war schon dunkel, doch schon in der Ferne sah man den Mond im Meer hervorschimmern. Es war für die ganze Gruppe ein so wunderbarer Moment und damit der Einklang auf die Fahrt.

Nach einem holprigem Anfang und einigen weiteren Problemen, steckten wir drei Tage später auf einmal im tiefsten Innern von Georgien. Vielleicht wanderten wir nicht die längsten Strecken, aber dafür waren sie oft sehr steil. Das Wetter war eigentlich immer gut, bis auf den Tag als es aus dem Nichts heraus plötzlich zu schütten anfing. Doch wie immer stand die Rettung direkt neben uns. Ein sehr freundlicher Mann namens Astamu nahm uns – wie als wäre es eine Selbstverständlichkeit – mit in sein Haus. In diesem aßen wir die besten bisher gegessen traditionellen Gerichte und übernachteten in federweichen, warmen Betten. Von Tag zu Tag füllte sich unser Herz mit immer mehr Abenteuern. Und schon auf der Hälfte der Fahrt wussten wir: wenn man die Menschen in Georgien irgendwie beschreiben konnte, dann mit ihrer unglaublichen Gastfreundschaft und ihrem Drang uns immer und überall zu helfen.

Nachdem uns ein Hund zwei Brote geklaut hatte, Schweine unsere Milch ausgeschüttet hatten und Kühe sich an unserem Gemüse zu schaffen gemacht hatten, kamen wir alle zu einem Beschluss. Die Sipplinge werden sich alleine beweisen, Georgien auf ihre eigene Art zu erkunden. Na das kann ja mal was werden. Doch die ganze Sache ging auch ganz schön schnell. Kaum hatten wir uns ein grobes Gebiet ausgemacht und uns herzzerreißend verabschiedet, zogen wir Richtung irgendwo im nirgendwo. Niemand von uns wusste wo es hinging, aber trotzdem wussten alle wo lang. Nach einiger Zeit gelangten wir an einen wunderschönen Ort, an dem wir schlussendlich auch einen lustigen Abend verbrachten.

Am nächsten Tag war das Wiedertreffen auf die RRs ziemlich komisch. Wir hatten sie (selbst nur für einen Tag) dolle vermisst, aber ein paar heimliche Blicke bewiesen, dass wir eigentlich alle wieder alleine sein wollten. Und da überschlug uns (mal wieder) der bekannte Drang zur Faulheit, der die RRs schon seit langem nervte. Alle waren mies drauf, was schlichtweg an uns lag. Es ist traurig das jetzt erst zu bemerken, aber auch „Streit“ gehört zu einer Fahrt dazu. Als sich die Stimmung dann erholt hatte und wir endlich dazu neigten aktiv zu werden, machten wir uns einen Plan.

Doch am Abend saßen wir wieder am selben Ort, am selben Lagerfeuer und am selben See, wie am Tag zuvor. Vielleicht war doch wieder alles schiefgelaufen und vielleicht ist unser Plan nicht aufgegangen, aber dafür saßen wir alle gut gelaunt beisammen. Und dieses gewisse Gemeinsamsein, was es nur bei den Pfadfindern gibt, verfolgte uns die restliche Fahrt weiter. Bis es dann soweit war, dass die komplette Fahrtengruppe vom Brechreiz ergriffen wurde. 14 Pfadfinder wechselten sich dabei ab ihren Magen auszuleeren, während es manche nicht mal zum letzten Reiseziel schafften. Ein sehr spezieller Abschied Georgiens.

Doch als wir wieder zuhause in Oschatz angekommen waren, sehnte jeder sich zurück. Die ganzen Abenteuer die wir erlebt hatten, all diese Gefühle die wir aufgebaut hatten und vor allem diese Gemeinschaft, die wir gegründet haben, werden unvergesslich bleiben. Doch sie wird noch weiter bestehen, denn unsere Pfadfindergeschichte ist noch lange nicht zu Ende. Und uns erwarten noch hunderte weitere Abenteuer, die uns nicht nur als Pfadfinder prägen werden.

Lazze