Geschichte der Pfadfinder in Leipzig und Sachsen

2. Teil von 1930 bis 1939

>>  1. Teil von 1911 bis 1929

1930 Der DPB hat 16 Landesmarken. Die LM Sachsen arbeitet in den Gauen Anhalt, Erzgebirge, Kursachsen, Mittelelbe, Nordlausitz und Oberlausitz.

1930 Gautreffen des DPB-Gaues Kursachsen bei Lauchhammer.

1930 BdR-Gau Sachsen: Führer bis April Eberhard Menzel, ab Mai 1930 Heinz Naumann (Halle/Saale).

1930 DPB-Horste in der LM Sachsen: Annaberg/Sa., Bad Schandau, Bautzen, Beierfeld/Erzgeb., Belgern, Bernsdorf bei Kamenz, Bischofswerda, Blasewitz/Dresden, Bockwitz, Dahlen, Dessau, Eibau/OL, Eilenburg, Elsterwerda, Falkenberg, Finsterwalde, Freiberg/Sa., Gottlauba Kr. Pirna, Gößnitz bei Naumburg, Grimma, Großrährsdorf, Halberstadt, Halle, Hoyerswerda, Kamenz, Kirchhain/NL., Königsbrück, Köthen/Anh., Lauchhammer, Leipzig, Liebenwerda, Machern, Magdeburg, Mittweida, Naumburg, Neustädel/Sa., Pirna, Plauen/Vogtl., Saalfeld, Schwarzenberg, Steinberg bei Kamenz, Stolpen, Torgau, Wachwitz "Heidewölfe", Wittenberg, Wurzen, Wüstenbrand/Sa., Zeitz, Zittau.

6.- 9.6. 1930 Landeslager der DPB-LM Sachsen bei Zittau. Zweitägiges Geländespiel "die Schlacht bei Oderwitz", Ausarbeitung Rolf Schröder (Zittau). Westsachsen (Leipzig und Gau Kursachsen) unter Landesvogt Wilhelm Schwenke gegen Ostsachsen (Gau Osterland und Gau Erzgebirge) unter Dr. Gerhard Stephan (Kamenz). Landesthing. Teilnehmer u.a. Bautzen, Dresden, Falkenberg, Kamenz, Leipzig, Pirna, Zittau.

6.- 9.6. 1930 Bundeslager des Bundes deutscher Kolonialpfadfinder auf dem Knabenberg bei Naumburg.

03.08. 1930 Der 1922 gegründete Neudeutsche Bund mit Schwerpunkt in Schlesien nennt sich nun Neudeutscher Pfadfinderbund. Bundeszeichen: Rautenlilie. Der Elbgau (Sachsen) wird von Kreisvogt Biok (Pirna) geführt. Auch in Leipzig besteht eine Gruppe des Bundes. Bundesführer: Dr. Rudolf Jürgens (Rulf), Leipzig-Marienhöhe, Am Wasserwerk 7.

7./8.9. 1930 Die DPB-LM Sachsen nimmt geschlossen am Treffen des Vereins für Auslandsdeutschtum (VDA) in Meißen teil. Der DPB stellt von allen vertretenen Jugendbünden das stärkste Kontingent.

Herbst 1930 Der DPB zählt 12.000 Mitglieder in 16 Landesmarken und im Ausland.

31.10./2.11.1930 Jungmannschaftstreffen und Führertagung der DPB-LM Sachsen in Dresden. Landesvogt Dr. Wilhelm Schwenke (Leipzig S 3, Brandtstr. 15) legt sein Amt nieder. Neuer Landesvogt: Dr. Walter Ulbricht (Grimma).

Ende 1930 Der Deutsche Pfadfinderbund (DPB) beschließt auf einer Führertagung in Kassel den Aufbau der Jungmannschaft.

1930 Der Deutsche Republikanische Pfadfinderbund (1929 gegr.) unterhält in Sachsen zwei Gruppen: Bautzen und Leipzig. DRPb.

1930 "Die deutsche Pfadfinderbewegung in ihrer Organisation und staatsbürgerlichen Tätigkeit unter Berücksichtigung des DPB". Philosophische Dissertation von Hermann Domack, Universität Leipzig.

1931 Anzeige in einer Leipziger Tageszeitung:
"Eltern! Warum ist euer Sohn noch k. Pfadfinder? Zweieinhalb Millionen Jungen geh. dies. Bewegung bereits an. Zeltlag., Wanderung, Heimabende schaffen ihnen eine frohe Jugend und lassen sie etw. f. Leben lernen. Wir nehmen noch Jung. v. 8 - 16 Jahren auf. Deutscher Späherbund e.V. Leipzig, Kreuzstr. 10, Erdg. links."

1931 Gauvogt Rudolf Planert (Wurzen) gründet die erste Jungmannschaft des DPB-Gaues Kursachsen. Führer: Ludwig Heil (Helu) aus Falkenberg.

1931 Erwähnung der Christlichen Alt-Pfadfinderschaft Sachsen im Leipziger Adressbuch. Leipzig C1, Salomonstr. 3 H.

30.3.- 6.4. 1931 Jungmannschafts- und Jungenführerlager des DPB in Torgau mit anschließendem Bundesführertag.

30.3.- 6.4. 1931 Gaulager des BdR-Gaues Sachsen in der Dübener Heide. Bundesführer Heinrich Baniza v. Bazan (Berlin) als Gast.

April 1931 Der DPB-Horst Leipzig besteht fast ausschließlich aus Gymnasiasten. Handwerker und Arbeiterkinder finden keinen Zutritt.

23.- 31.5. 1931 DPB-Bundeslager auf der Erpeler Ley am Rhein mit 4.000 Teilnehmern, u.a. aus Sachsen. Bundesthing, offiz. Einführung der neuen Sturmfahne (Bundesbanner), der Jungenschaftsjacke und der blauen Kurzhose. Eberhard Koebel (tusk) ist mit einer Berliner Horte der dj. 1.11. im Lager.

Falkenberger Teilnehmer beim Bundestreffen 1931
Herbert Müller, Gerhard Ahrens, Erich Dürr, Martin Zickert,
Ludwig Heil, Hans Hartmann (v.l.n.r.)


05.06. 1931 Erstes Treffen der Jungmannschaften des DPB und der Deutschen Freischar (DF) in Falkenberg.

13./14.6. 1931 Kreisjugendtreffen in Mühlberg/Elbe mit 100 Teilnehmern aus 6 Orten, darunter DPB und DF.

Sommer 1931 Der DF-Gau Sachsen führt bei Glogau (Schlesien) mit 300 Teilnehmern einen dreiwöchigen Landdienst mit Ernteeinsatz durch.

Juli 1931 Balten-Amt des DPB: Alfred Stender, Leipzig O 27, Naunhoferstr. 11.

30.08. 1931 Führertreffen der DPB-LM Sachsen in Torgau.

Sept. 1931 Nach einer Mitteilung des Hochschulamtes besteht an der Universität Leipzig ein aktiver Studentenkreis des DPB.

19./20.9. 1931 Kreisjugendtreffen in Gröden-Merzdorf. Unter den Teilnehmern sind der DPB und die DF. Feldgottesdienst: Pastor Rudolf Bürger (DPB).

1931 Kolonialbund deutscher Pfadfinder:
Bundesführer: Erhard Pörschmann, Leipzig N 22, Pariserstr. 6a
Bundeskasse: Joachim Steckler, Leipzig C 1, Thomasiusstr. 1
Schriftwart: Max Geißler, Leipzig N 22, Dinterstr. 26

Oktober 1931 Führerschulungslager für die Jungmannschaft der DPB-LM Sachsen bei Dresden. Leitung: Walter Cramm, (Hoheneggelsen/Niedersachsen).

07./08.11. 1931 Führertagung der RdP in Klotzsche bei Dresden. Der Bund hat 700 Mitglieder.

28./29.11. 1931 Treffen des BdR-Kreises Sachsen in Wittenberg unter der Leitung von Kreisführer Heinz Naumann.

28.12.- 6.1.1932 Winterlager des DPB-Gaues Mittelsachsen auf dem Ascheberg.

1932 Ringgemeinschaft deutscher Pfadfinder (RdP):
Ringführer: Dr. Hans Riedel, Leipzig C 1, Plagwitzerstr. 1a
Ringkanzler: Erwin Herbst (Ex), Dresden A 20, Kostritzerstr. 23
Ringkasse: Dr. Werner Heinze, Leipzig W 32, Stieglitzstr. 58, I
Gruppen der RdP gibt es in Bad Schandau, Chemnitz, Coswig, Dresden 1 - 5, Kötschenbroda, Pirna und Leipzig.

1932 Studienrat Dr. Reinhard Oehler (Leipzig) wird neuer Landesvogt der DPB-LM Sachsen.

Frühjahr 1932 Werbeveranstaltung des DPB-Gaues Kursachsen in Elsterwerda. Ein Gau-Banner wird angeschafft und vom Horst Elsterwerda geführt.

Ostern 1932 RdP-Führerschulungslager in Herrnsdorf bei Dresden. Dr. Hans Riedel tritt als Bundesführer zurück, sein Nachfolger wird Edu Kreuzer (Erlangen).

16./17.4. 1932 Werbeveranstaltung des DPB-Gaues Kursachsen in Belgern/Elbe mit 220 Teilnehmern aus Bitterfeld, Bockwitz, Dahlen, Eilenburg, Falkenberg, Finsterwalde, Lauchhammer, Oschatz, Riesa, Wittenberg und Wurzen. Horst Eilenburg erringt das Gau-Banner. Gäste: DF Falkenberg.

April/Mai 1932 Werbeveranstaltungen des DPB-Gaues Kursachsen in Bitterfeld, Wurzen und Kirchhain/NL.

Mai 1932 Landesschatzmeister der DPB-LM Sachsen: Fritz Firtzlaff, Leipzig, Albertinerstraße 100.

14.- 16.5. 1932 Dr. Reinhard Oehler (Leipzig) vom DPB als Gast im Bundeslager des BdR auf Burg Greene bei Kreiensen.

23.- 31.7. 1932 Gaulager des DPB-Gaues Kursachsen zwischen Bockwitz u. Grünewalde mit 140 Teilnehmern aus den Horsten Belgern, Düben, Eilenburg, Torgau und Wurzen. Singen, Pfadfinderkünste, Sport, Geländespiel, Wandertag, Werbemarsch, Lagerzirkus.

August 1932 Werbeveranstaltung des DPB-Gaues Kursachsen in Bad Liebenwerda. Teilnehmer aus Belgern, Bockwitz, Elsterwerda, Falkenberg, Finsterwalde, Lauchhammer und Torgau.

Sept. 1932 Bund der Reichspfadfinder und Deutscher Späherbund schließen sich zum Bund der Reichspfadfinder und Späher zusammen.

1932 Der starke DPB-Gau Kursachsen wird geteilt. Der alte Gau besteht westlich der Elbe weiter. Neuer Gauvogt: Fritz Große (Eilenburg). Östlich der Elbe entsteht der neue Gau Schwarze Elster. Gauvogt: Ludwig Heil (Falkenberg), Gau-Jungmannschaft: Erich Hauptvogel (Elsterwerda), später Gerhard Ahrens (Falkenberg). Horste im neuen Gau Schwarze Elster: Bad Liebenwerda, Bockwitz, Elsterwerda, Falkenberg, Finsterwalde, Kirchhain/NL., Lauchhammer, Mückenberg und Wittenberg.

8./9.10.1932 Sachsentreffen des Deutschen Kolonialpfadfinderbundes in Freiberg, u.a. mit Gruppen aus Leipzig, Meißen, Oschatz, Pirna.

Herbst 1932 Gruppen des früheren BdR in Bitterfeld, Freiberg/Sa., Halle/Saale und Niesky treten zum DPB über.

15./16.10. 1932 Führerlager der DPB-LM Sachsen in Grillenburg bei Klingenberg.

Herbst 1932 Im Spätsommer hatte der BdR einen großen Bündigungsvorschag an alle wichtigen Pfadfinderbünde unterbreitet. In seiner Zeitschrift "Der Pfad zum Reich" Nr. 8/9 wird die Stellungnahme von 23 maßgeblichen Führern aus 9 Bünden und 2 unabhängigen Beobachtern veröffentlicht. Von den 5 Führern des DPB äußerst sich lediglich Dr. Reinhard Oehler (Leipzig) dazu positiv.

22./23.10. 1932 Gautreffen des jungen DPB-Gaues Schwarze Elster in Schadewitz.

1932 In Leipzig besteht der CPD-Stamm "Walter Flex" und der Leipziger DPB-Trupp "Raben" wird durch sein selbstgebautes Indianer-Tipi bekannt.

Der DPB-Trupp Raben aus Leipzig mit seinem Tipi


1932 Neuer RdP-Ringkanzler: Dr. Wolfg. Rudert, Leipzig A 16, Arnoldstr. 31.

13.11.1932 Der Bund der Reichspfadfinder und Späher bildet mit dem Neudeutschen Pfadfinderbund in Leipzig die Reichsschaft Deutscher Pfadfinder (RDP). Bundesführer: Dr. Rudolf (Rulf) Jürgens (Leipzig). Bundeszeichen: Rautenlilie mit aufgelegtem Reichsadler. Stände: Wölfling, Späher, Knappe und Ritter.

Dez. 1932 Großes Einigungstreffen der RDP auf dem Eckardskopf bei Oberhof/ Thüringen. Bundesthing. Sieben weitere Bünde schließen sich der RDP an, darunter Münchener Pfadfinderring, Bund deutscher Neupfadfinder (Rheinland), DPB-St. Georgsring (Westf.), Kreuzpfadfinder (Oberschlesien). Dr. Alexander Lion (Oberhof) ist als Gast vertreten.

1933 Sachsen ist einer von acht Gauen der Reichsschaft Deutscher Pfadfinder.

30.01.1933 "Machtübernahme" der Nationalsozialisten in Deutschland. Adolf Hitler wird zum Reichskanzler berufen.

12./13.3. 1933 Werbeveranstaltung des DPB-Gaues Schwarze Elster in Doberlug-Kirchhain mit Zeltlager. Abends weiht Landesvogt Dr. Reinhard Oehler (Leipzig) die neue Gaufahne am Feuer. Sonntags Kirchgang, anschließend Werbemarsch durch den Ort.

02.04.1933 Gründung des Großdeutschen Bundes in Berlin-Frohnau. Zweckbündnis zur Wahrung der bündischen Autonomie gegenüber der Hitlerjugend (HJ) durch acht Jugendbünde, darunter dem DPB und der DF, mit insegsamt 50.000 Mitgliedern. Führer: Admiral Adolf von Trotha. Bundeszeichen: Schwarzes Balkenkreuz im weißen Schild.

15.04.1933 Konstituierung des Bundeskapitels des Großdeutschen Bundes in Berlin.

23.04.1933 Werbeveranstaltung des DPB-Gaues Schwarze Elster in Uebigau. Werbemarsch durch den Ort, Zeltlager auf dem Schützenplatz. Teilnehmer aus Elsterwerda, Falkenberg, Kirchhain-Doberlug und Liebenwerda.

01.05.1933 Der ursprüngliche "Tag der Arbeit" wird von der NS-Regierung zum "Tag der nationalen Einheit" propagiert und erstmals im ganzen Deutschen Reich offiziell gefeiert. In vielen Orten nehmen die Gruppen der Bündischen Jugend geschlossen in Kluft mit Fahnen und Wimpeln an den großen Festumzügen teil. Beteiligung von HJ, DJ, Schulklassen, konfessionellen Gruppen, Vereinen, Betriebsbelegschaften usw.

04.05.1933 Letztes Thing des Falkenhorstes (DPB). Gründung der Ortsgruppe des Großdeutschen Bundes mit der DF. Die Falkenhorster übertragen ihre Anteile am Blockhaus mit allem Inventar als Schenkung an Pastor Rudolf Bürger. Dadurch soll der Beschlagnahme des Heimes durch die NS-Organe vorgebeugt werden.

01.06. 1933 Die RDP tritt aus taktischen Gründen wieder aus dem Großdeutschen Bund aus.

3.- 6.6. 1933 Letztes Treffen des Großdeutschen Bundes in Munsterlager, Lüneburger Heide mit 15.000 Teilnehmern. Nach einem Massenaufgebot von SA, HJ und Polizei wird das Lager vom zuständigen Landrat wegen befürchteter Unruhen verboten und aufgelöst.

3.- 6.6. 1933 Pfingstlager der DPB-LM Sachsen in Neußen bei Belgern für alle Horste, die wegen der weiten Entfernung nicht nach Munsterlager fahren. Marsch mit Fahnen und Wimpeln nach Belgern. 300 Jungen durchschwimmen die Elbe. Teilnehmer u.a. Falkenberg und Leipzig.

3.- 6.6. 1933 Letztes CPD-Reichslager im Friedewald bei Coswig mit 3.000 Teilnehmern. Den Auftakt bildet das mitteldeutsche Treffen in Meißen. Festpredigt im Dom, öffentliche Kundgebung in der Albrechtsburg, Aufführung des "Domspieles" von Fritz Riebold. Reichsthing auf dem Hainstein.

16./17.6. 1933 Gautreffen des DPB-Gaues Schwarze Elster am Winterberg in Elsterwerda. Sportwettkämpfe um das Gaubanner, Sieger: Falkenhorst.

17.06. 1933 Adolf Hitler beruft Baldur von Schirach zum Jugendführer des Deutschen Reiches. Totalitätsanspruch der Hitlerjugend! Erste Amtshandlung: Auflösung des Reichsausschusses der deutschen Jugendverbände.

21.06. 1933 Verordnung des Jugendführers des Deutschen Reiches Baldur von Schirach betreffs Auflösung der Bündischen Jugend.

17.- 30.6. 1933 Werbeveranstaltungen der HJ im ganzen Reich (1932: 108.000 Mitglieder).

Ende Juni 1933 Erstes Verbot der Reichsschaft Deutscher Pfadfinder durch das NS-Regime.

02.07. 1933 Auflösung des DPB-Gaues Schwarze Elster in Bad Liebenwerda. Gauvogt Ludwig Heil verabschiedet jeden mit Handschlag. Um die alte Gemeinschaft zu retten, übernimmt die Führerschaft des Falkenhorstes in Falkenberg alle Führerstellen im bis dahin unbedeutenden Deutschen Jungvolk der HJ.

Ehem. Pfadfinderführer aus Falkenberg
Ehemalige Führer des Falkenhorstes nach Verbot des DPB in den Walbergen


08.07. 1933 Baldur von Schirach beruft einen "Jugendführerrat". Er übernimmt die Aufgaben des verbotenen Reichsausschusses der deutschen Jugendverbände und erhält seine Richtlinien vom Innenminister Wilhelm Frick. Mitglieder: fünf Verbände, Vormachtstellung der HJ.

Juli 1933 Verbot der meisten bündischen Zeitschriften.

1933 Um ihre bisherigen Gemeinschaften zu erhalten und dem allgemeinen HJ-Dienst mit seinem sturen Drill zu entgehen, bilden zwangsweise eingegliederte Pfadfinder hier und da Spezialeinheiten: Flieger-HJ, Sing- und Spielscharen, Pionier-Züge, Reiter-HJ in ländlichen Gegenden, Fanfaren-Züge, technische Einheiten, Marine-HJ usw. Falkenberg: Gründung einer Sing- und Spielschar aus ehemaligen DPBern und Freischärlern unter der Führung von Herbert Töpfer (ehem. DF)

Sommer 1933 In einigen Teilen des Reiches arbeiten ehemalige Mitglieder der verbotenen Bünde - unter ihnen auch Pfadfinder - illegal weiter. Heimliche Treffen an abgelegenen Orten, illegale Fahrten im In- und Ausland. Repressalien durch das NS-Regime: Hausdurchsuchungen, Verhöre durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo), Beschlagnahme von Heimen, Schriftgut, Fahrten- und Lagermaterial.

1.- 16.8. 1933 4. Welt-Jamboree der Pfadfinder in Gödöllö/Ungarn mit 28.000 Teilnehmern aus 32 Ländern. Illegale Teilnahme von ca. 50 Mitgliedern des ehemaligen DPV und der RDP. Darunter Dr. Rudolf (Rulf) Jürgens und Heino Kössling aus Leipzig.

August 1933 Aufhebung des Verbotes der RDP. Versuch der Reichsjugendführung, ihre Auslandskontakte über die Reichsschaft auszubauen. Kontakte zum Internationalen Büro (IB) der Pfadfinder in London.

19.11. 1933 Abkommen der Reichsjugendführung mit dem evang. Reichsbischof Ludwig Müller (CPD) über die Eingliederung der evang. Jugend unter 18 Jahren in die HJ. Die CPD verliert ca. 10.000 Jungen und besteht nur noch aus etwa 2.000 Mitgliedern. In Sachsen verliert die CPD die Hälfte der rund 60 Stämme. Proteste der maßgeblichen Führer bleiben erfolglos.

14.01. 1934 CPD-Reichsführer Friedrich Duensing spricht in Leipzig im großen Saal des Hospizes vor 1.000 CPern. Ortsringführer Rudolf Hirsch wird von der Gestapo verhaftet und verhört.

Februar 1934 In das Stadtheim der Leipziger RDP-Gruppe wird von NS-Anhängern eingebrochen.

26.05. 1934 Endgültiges Verbot der Reichsschaft Deutscher Pfadfinder (RDP).

21.07. 1934 Für Polizeiaufgaben innerhalb der HJ und zur Bekämpfung oppositioneller Jugendgruppen wird der HJ-Streifendienst als Hilfspolizei eingeführt.

Sommer 1934 Nord-Ostsee-Fahrt einer Fahrtengruppe der HJ-Spielschar Falkenberg (ehemalige Bündische) mit 8 Teilnehmern.

Sommer 1934 Das Falkenberger Blockhaus in den Walbergen wird von der evang. Jugend nicht voll genutzt. Übernahme durch die HJ.

22./23.9. 1934 Landestreffen der CPD-Sachsen mit 130 älteren Teilnehmern.

1934 Dresdener Gruppen der CPD vergraben Fahnen, Bildbände und Bücher in einem Eisenbehälter in der Dübener Heide.

Ende 1934 Hausdurchsuchung im bündischen Verlag Plauen/Vogtl. Günther Wolff wird verhaftet und bleibt bis Oktober 1935 im Gefängnis. Nach seiner Entlassung führt er seine Verlagsarbeit eingeschränkt fort. Im Dezember 1935 befindet sich Günther Wolff erneut in Gestapo-Haft.

Ende 1934 Die HJ hat - u.a. durch die zwangsweise Eingliederung der Bünde - 3.600.000 Mitglieder im Reich.

1935 Die Einführung des Reichsarbeitsdienstes (RAD) und der allgemeinen Wehrpflicht erschweren die illegale Arbeit der verbotenen Gruppen und der noch bestehenden konfessionellen Gruppen.

27.06. 1935 Verhaftungswelle gegen ehemalige Mitglieder der verbotenen Jugendbünde. Heino Kössling, letzter Gauvogt Sachsen der RDP (Leipzig) bis 21.09.1935 in Gestapo-Haft.

Oktober 1935 Fünf Jungen des Fähnleins "Hagen von Tronje" vom ehemaligen DPB-Horst Dresden auf illegaler Fahrt ins Teufelsmoor bei Bremen. Begegnung mit dem Dichter Manfred Hausmann in Osterholz-Scharmbeck. Aus dieser Begegnung entsteht das bekannte Lied "Es tropft von Helm und Säbel..." als verschlüsseltes Widerstandslied.

Dez. 1935 Illegales Winterlager der RDP in einer Baude in Groß-Aupa/Erzgebirge (Tschechoslowakei).

01.12. 1936 Das "Gesetz über die Hitlerjugend" tritt in Kraft. Damit wird die HJ Staatsjugend und rechtlich einziger Träger der Jugenderziehung im Deutschen Reich. Wer sich dem Jugenddienst entzieht, wird strafrechtlich verfolgt!

10.06. 1937 Endgültiges Verbot und Auflösung der CPD.

Dez. 1937 Der ehem. Führer der CPD, Fritz Riebold (Dresden) wird während eines Wintersportaufenthaltes in Tellerhäuser bei Rittersgrün/Erzgebirge von der Gestapo verhört.

Sommer 1938 Der ehem. Führer der CPD Sachsen, Fritz Riebold (Dresden), wird während einer Reise nach Oberbayern in Hof von der Gestapo erneut verhaftet. Verhöre, Hausdurchsuchung, sechs Wochen Haft. Verfahren vor dem Landgericht Dresden: Verbot jeder erzieherischen Tätigkeit.

1938 Erneute Verhaftung des Verlegers Günther Wolff (Plauen/Vogtl.) durch die Gestapo. Verurteilung durch ein Sondergericht in Freiberg/Sa. nach der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat zu 15 Monaten Gefängnis. Liquidierung des Verlages "Das junge Volk".

28.10. 1938 Der 1. Senat des Volksgerichtshofes Leipzig verurteilt Helmut Heß, Horst Lippert und Kurt Hoppe (leitende Mitglieder der bündischen "Leipziger Meuten") wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu ein bis fünf Jahren Zuchthaus.

08.11. 1938 Heinz (Heino) Kössling (Leipzig), letzter Gauvogt Sachsen der RDP, erneut verhaftet. Überführung in das Gestapo-Hauptgefängnis Berlin, Prinz-Albrecht-Straße.

1938 Dem Bundesführer der ehem. RDP, Prof. Dr. med. Rudolf (Rulf) Jürgens (Leipzig), gelingt die Flucht in die Schweiz.

1939 Zur Bekämpfung der "Bündischen Umtriebe" besteht sechs Jahre nach dem Verbot der freien Jugendbünde noch immer das besondere Dezernat "Bündische Jugend" bei der Gestapo.

25.03. 1939 Die "Jugenddienstverordnung" zum "Gesetz über die Hitlerjugend" tritt in Kraft.

01.09. 1939 Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Der bündische Widerstand erlischt weitgehend. Massensterben der Jugend an allen Fronten.

Zeitungsartikel aus den "Leipziger Neuesten Nachrichten" Nr. 209 vom 28.07.1939:

Das Verbot der bündischen Jugend

Der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern hat durch eine im Deutschen Reichs- und Preußischen Staatsanzeiger vom 20. Juli 1938 veröffentlichte Verordnung das V e r b o t   d e r   b ü n d i s c h e n   J u g e n d neu gefaßt. Hiernach ist die Fortführung der bündischen Jugend (Deutsche Freischar, Freischar junge Nation, Großdeutscher Bund, Deutsche Jungenschaft vom 1.11., Deutsche Jugendtracht, Oesterreichisches Jungenkorps, Graues Korps, Nerother Bund, Bund für Errichtung der rheinischen Jugendburg, Reichsschaft deutscher Pfadfinder, Deutscher Pfadfinderbund, Oesterreichischer Pfadfinderbund, Christliche Pfadfinderschaft, Deutsche Pfadfinderschaft, St. Georg-Pfadfinderkorps, Quickborn-Jungenschaft, Deutschmeister-Jungenschaft, Stromkreis, Grauer Orden, Freischar Schill und Eidgenossen, Bündischer Selbstschutz, Navajo usw.) untersagt.
Wer es unternimmt, den organisatorischen Zusammenhalt einer früheren bündischen Vereinigung aufrecht zu erhalten oder eine neue bündische Vereinigung zu bilden, insbesondere wer auf andere Personen durch Weitergeben von bündischen Schrifttums, Liederbüchern, u. dergl. in diesem Sinne einwirkt oder wer bündische Bestrebungen in anderer Weise unterstützt, wird gemäß §4 der Verordnung des Reichspräsidenten von Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 (RGBl. I, Seite 83) bestraft.



>>  1. Teil von 1911 bis 1929


Diese und viele weitere Informationen und Materialien wurden im Rahmen des Projektes "Die Geschichte der Pfadfinder in Leipzig und Sachsen" der Runde Silberlöwe anlässlich unseres 10. Stammesgeburtstages am 25. Juni 2000 zusammengetragen. Besonderer Dank für ihre Unterstützung geht an Dieter Sawitzky - Westmann und Adolf Schmeißer - Alo (†) vom Verband Deutscher Altpfadfindergilden (VDAPG).