Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Die Wahl ist nun eine Woche her – und die Ergebnisse beschäftigen uns weiterhin. Wir merken, dass die Bilder, Zahlen und Entwicklungen der vergangenen Woche nachwirken und bei uns viele Fragen und Sorgen hinterlassen. Die AfD ist mit einem sehr hohen Stimmenanteil stärkste politische Kraft im Landtag von Sachsen-Anhalt geworden. Für uns als Landesvorstand ist das keine Entwicklung, die wir einfach zur Kenntnis nehmen können.

Besonders besorgt uns, dass der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt vom dortigen Verfassungsschutz bereits seit November 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft wird. Dass eine solche politische Kraft nun eine so große Zustimmung erhalten hat, nehmen wir ernst. Auch wir sind davon unmittelbar betroffen: Als BdP Sachsen haben wir Gruppen und Mitglieder in Sachsen-Anhalt. Was dort politisch geschieht, betrifft damit ganz konkret junge Menschen in unserem Bund und die Orte, an denen sie ihre Freizeit verbringen, Gemeinschaft erleben und sich entwickeln.

Freie Jugendarbeit ist für uns ein wesentlicher Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft. Pfadfinden lebt davon, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen, eigene Entscheidungen treffen, unterschiedliche Menschen zusammenkommen und Gemeinschaft selbst gestalten. Unsere Gruppen sollen Orte sein, an denen alle dazugehören können – unabhängig von Hautfarbe oder Herkunft, geschlechtlicher Identität oder sexueller Orientierung, Beeinträchtigungen oder Aufenthaltsstatus.

Dass solche freien Räume existieren können, ist nicht selbstverständlich. Unsere eigene Geschichte erinnert uns daran. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden freie Jugendverbände verboten, aufgelöst oder gleichgeschaltet. Junge Menschen sollten nicht mehr selbst entscheiden, wie sie ihre Gemeinschaft gestalten, sondern in eine staatlich kontrollierte Jugendorganisation eingegliedert werden. Teile der Bündischen Jugend widersetzten sich dieser Gleichschaltung, einige Gruppen gingen sogar in den Widerstand.

Unsere eigene Geschichte zeigt uns also, wie wichtig es ist, demokratische Freiräume nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Deshalb wollen wir nicht abwarten. Wir wollen hinschauen, unsere Stimme erheben und füreinander einstehen.

Und deshalb möchten wir vor allem euch etwas sagen:

Danke.

Danke, dass ihr Jugendarbeit macht. Danke, dass ihr Gruppenstunden vorbereitet, Fahrten organisiert, Lager aufbaut, zuhört, diskutiert, Verantwortung übernehmt und immer wieder neue Menschen in unsere Gemeinschaft aufnehmt.

Danke, dass ihr nicht einfach zuschaut.

Vielleicht fühlt sich das, was ihr jeden Tag in euren Gruppen macht, manchmal klein an. Aber genau dort beginnt Demokratie. Dort lernen junge Menschen, ihre Meinung zu sagen und andere Meinungen auszuhalten. Dort lernen sie, Verantwortung zu übernehmen, Kompromisse zu finden und füreinander einzustehen.

Habt deshalb weiterhin den Mut, eure Meinung zu sagen. Vernetzt euch mit anderen demokratischen Jugendorganisationen in euren Orten und geht gemeinsam auf die Straße. Seid laut. Zeigt sichtbar, wofür ihr steht – gern auch mit Halstuch. Thematisiert Demokratie und Vielfalt in euren Gruppenstunden. Sprecht darüber, was unsere Gesellschaft zusammenhält, warum Unterschiede selbstverständlich sind und warum jeder Mensch das Recht hat, dazuzugehören.

Und wenn ihr Unterstützung für Aktionen, Gruppenstunden oder andere Ideen braucht: Fragt uns. Wir stehen hinter euch.

Eine freie Jugendbewegung ist Teil einer freien Gesellschaft. Wir danken euch, dass ihr sie mit Leben füllt. Wir danken euch, dass ihr nicht wegschaut. Und wir möchten euch ermutigen: Macht weiter. Bleibt laut. Bleibt offen. Bleibt solidarisch. Und steht füreinander ein.

Gut Pfad!
Sonne, Steffi, Blümchen, Paul und Franzi